Potse & Drugstore müssen bleiben! Aufruf Nachbar*innen Nordkiez Fhain zur Unterstützung der bedrohten Projekte, insbesondere von Potse & Drugstore, zur Kundgebung und Demo am Sonnabend, 15.12.2018 um 14:03 ab Rathaus Schöneberg.

https://de.indymedia.org/node/27031

VERDRÄNGUNG IST GEWALT – JUGENDZENTREN ZU VERTREIBEN IST ZUKUNFT ZU NEHMEN – DAFÜR GELDHÖRIGE KAPITALISTISCHE PLATTMACHCOMPANIES EINZUQUARTIEREN IST PERVERS

 

Längst haben sich die David Bowies unserer Zeit von Berlin wieder verabschiedet. Die Zeit des revolutionären subkulturellen Aufbruchs ist verglüht. Die stampfenden schwitzenden Leiber zu widerständigen verzerrten Gitarrenklängen, röhrenden kehligem Geschrei der Tanzenden und buntem Anderssein sind bis auf wenige Ausnahmen aus dieser Stadt getilgt. Einige der ganz wenigen Ausnahmen in dieser Stadt bilden u.a. diese Urgesteine der beiden selbstverwalteten Jugendzentren, die sich die machtvolle Elite dieses Dreckssystems nun auf die verschmerzbare Kürzungsliste des sprudelnden Stadtetats gesetzt hat. Es scheint ein Leichtes, den letzten Widerständigen, den bedrohten Projekten gelebter Freiräume, den Garaus zu machen, damit z.B. die bestenfalls eigenen Renditegeschäfte über insuläre Scheinfirmen noch besser wie geschmiert laufen. Und Schmiere ist überall und in allen Formen im System. Man hat es sich gut eingerichtet. Es lebt sich leicht auf dem gezündeten Vulkan. Mit Sonnenbrille und Ohrstöpsel, im schicken Start-Up-Etablissement, brainlos, aber immerhin brainstorm-geübt im Geldvermehrungswahn, muß man nicht Zukunft denken, wenn man sie vermeintlich in Händen hält – die Macht.

Die Stadt ist tot, einzementiert in einen Glasbetonberg, einfaltslos, häßlich in ihrer kapitalistischen Funktionalität, genauso wie die gleichförmig ausgerichteten Menschen, die in ihrerer konsumistischen Uniformiertheit und digitalen Hörigkeit sich zombiehaft, wie auf Schienen, durch diese leblose einfältige Scheinpracht bewegen. Sitzt die gecoulorte Betonfrisur gut fürs nächste Selfie vorm Denkmal einer zur Industrie verkommenen Selbstreflexion einer totgeglaubten Vergangenheit?.

Die Dimensionen des Faschismus sind tausendmal tiefer zu finden, als eine Erinnerungskultur sie sich zur gefälligen Außenspiegelung zu eigen gemacht hat, die ganz im Kontext einer perfekten Staatsräson zur Schönspiegelung falscher Tatsachen dient. Als ob ein in China in Niedriglohnarbeit gefertigter Blumenkranz im Ablegen vor what? auch nur den Hauch des Anspruchs an ernsthafter Auseinandersetzung unterstreichen würde, mit unser aller Untiefen und schlecht bearbeiteten Grundmustern, unseren individuellen und gesellschaftlichen, eben zum Teil fatalen Verhaltensstrukturen wirklich forwärtsschreitend umzugehen.

Zurück zu den Jugendzentren. Die Ausmaße an Vernichtung von widerständiger Kultur und Subkultur, an nicht-kapitalabhängiger, -anbiedernder Kreativität und Kunst ist enorm. Enorm faschistoid muß man hinzufügen, denn nichts anderes ist das prägenden Adjektiv des Kapitalismus, der tief in sich starr, uniform, schwer autoritär und hierarchisch im schönen Schein einer immer noch krass expansiv sich entwickelnden, aber zwingend endlichen Weltwirtschaft so tut als wär er der Heilsbringer. Dabei sind die parallel auszumachenden Auswüchse immer mehr seelenzerstörend gleichzuschalten, in der Konsequenz der Konsumlogik Erd-vernichtend und damit Selbstzerstörend. Eine schwer psychotische Diagnose unseres Ist-Zustands.Widerstand ist, neben dem, daß er unerwünscht ist, schlicht out. Die klebrige Masse des Wohlstands, die Verführung durch Ablenkung, zwingt systemlogisch und erwünscht in die Ohnmacht. In die Ohnmacht des obrigkeitsabhängig, kindlich alles in sich einverleibenden von vermeintlich Schönem, mit dem Anspruch infantiler Maßlosigkeit bis zur kompletten Überblähung, ja bis zum Platzen. Das zuckrige Etwas vernebelt den Verstand. Das Denken in größeren Zusammenhängen, das melancholische Begreifen der eigenen Endlichkeit, der verfaulenden Zähne, trotz HightechZahnmedizin, eines fauligen Zeitalters, hat sich Systemimmanent erledigt, ob mit der Durchökonomisierung fast aller Lebensräume, wie auch dem Durchdringen nahezu jeden Arbeits-Freizeitverhaltens oder bspw. der Einführung von rein ökonomisch zielführenden Studiengängen zulasten eines Studium Generale, auch eines mal eingermaßen gehabten Freiraums über Zusammenhänge und Zukunft zu Diskutieren.

Aber das kleine gallische Dorf des Widerstands gibt es noch, wenn auch der Zaubertrank hier und dort eher dem Schlaftrunk gewichen scheint. Es existiert weltweit überall, teils in Kleinparzellen, manchmal auch nur im Kopf und in den Herzen. Zu viel und vielfältig scheinen die Aufgaben, zu müde die Krieger*innen. Vielleicht ist es auch die nötige Erholung vor dem nächsten wichtigen Aufbruch, dem vielleicht wichtigsten Aufbegehren einer anderen globalen Zeit. Durch den Klimawandel wird nichts mehr sein, wie es war.

Aber genau hier besteht die Chance, unsere Chance. Das Phlegma der Zeit, das Phlegma des Kapitalismus, ist das Phlegma der anderen. Warum sich davon beeinflussen, warum sich davon herunterziehen lassen. Die Distanz zu diesen Geschehnissen in inneren wie äußeren Freiräumen ist notwendig, ohne sich im eigenen subkulturellen Sumpf zu verlieren – denn auch diese Gefahr besteht! Der kämpferische Impuls darf nie von der empfundenen Ohnmacht bestimmt werden. Starre Strukturen aufweichen und – oder zerstören, den Mächtigen aufs Maul sch-h-aun, ihr fatales Handeln der Lächerlichkeit preisgeben. Genau hier fängt der Spaß doch erst an. Wenn die Gesellschaft pikiert ist, sich gestört und belästigt fühlt, ja auch aufs Maul kriegt! Ob das zurückblickend die sogenannten Gammler, Hippies oder Punks waren. Sie haben genau diese Irritation in der Masse der ordentlichen, vermeintlichen Gutbüger*innen ausgelöst. Die wenigsten waren politische Aktivist*innen dieser Zeit. Aber sie haben durch ihre Lebensart ein Gefühl der Rebellion sichtbar auf die Straße gebracht, dem sich die Masse nicht dauerhaft verschließen konnte. Auch wenn das in der Rückschau für junge Menschen wenig erkennbar wird, so war dieser Impuls doch ein großer Moment der Veränderung. Eine Veränderung, die im eingeschlafenen Status quo nun wieder als ein zwingend herbeizuführendes inneres Muß der Rebellion die Kräfte weckt und vermehrt wecken sollte, den anarchischen Stachel in allen Lebensbereichen lustvoll einzusetzen.

Die Kräfte des Punk, des Riot sind doch in uns, genauso wie die gestalterischen Kräfte für das danach. Die subkulturellen Kräfte sind ein Universum an Vielfalt, Ideen, Aufbruch-Aufbrechen in Gemeinsamkeit und Solidarität. Sie sind eine Waffe.

Zieht euch warm an, ihr Verwöhnten, ihr vermeintlich Mächtigen, ihr Ausgerichteten, ihr Gleichgeschalteten. Die Erde beginnt zu glühen – das System schlägt zurück.

Ein Angriff auf unsere Freiräume ist ein Angriff auf uns alle!

One struggle – One fight!

Fuck the System – Bleiben wir unregierbar!