LIEBIG 34 – Warum wir solidarisch sind:

https://de.indymedia.org/node/26436

In wenigen Wochen läuft der Vertrag des Hausprojekts Liebigstraße 34 in Friedrichshain aus. Jetzt haben wir uns als Nachbar*innen zu Wort gemeldet, weil wir denken, dass die Frage des Erhalts des Hausprojekts nur erreicht werden kann, wenn die Solidarität über die linken Hausprojekte in Friedrichshain hinausgeht. Wie vor einigen Jahren, als das Hausprojekt Rigaer Str. 94 belagert wurde, sollte auch wieder ein Bündnis von Stadtteilbewohner*innen entstehen, dass neben den linken Projekten auch solidarische Mieter*innen umfasst. Sie verteidigen diese Projekte, weil sie sich gegen einen Kiez der Reichen wehren. Eine selbstbestimmte, widerständige Kultur ist dafür unabdingbar. Die Liebig 34 ist davon ebenso ein Teil wie die Rigaer 94, wie die Rentnerin, die sich gegen Zwangsräumung wehrt. Wir lassen uns nicht spalten.

Am 2.12. findet um 17 Uhr im Jugendwiderstandsmuseum in der Rigaer Straße 9/10 die zweite Kiezversammlung für den Erhalt der Liebigstraße 14 statt. Der Offene Brief ist ein Beitrag dazu:

Liebe Nachbar*innen, 

am 31.12.18 endet der Mietvertrag des Hausprojekts Liebig 34. Der Vermieter Gijora Padovicz hat bis jetzt jegliche Verhandlungen über eine Mietvertragsverlängerung abgelehnt und macht deutlich, dass er sich eine Räumung des Hauses wünscht, um das Haus luxuszusanieren und die Wohnungen teuer an „angenehmeMieter*innen“ vermieten zu können. Durch seine guten Beziehungen zur Politik wurden Padovicz nach der Wende große Bestände der kommunalen Wohnungsunternehmen, vor allem in Friedrichshain, zu Spottpreisen überlassen. Die Mieter*innen der Häuser, die im Besitz seines Firmengeflechts sind, haben seitdem seine skandalösen Entmietungspraktiken kennenlernen müssen, mehr dazu hier: padowatch.noblogs.org. Die Lage ist also ernst und weckt bei uns – Nachbar*innen aus dem Kiez, die sich gegen Aufwertung und Verdrängung engagieren – Erinnerungen an andere Ereignisse aus den letzten Jahren: Die Räumung der Liebig 14 und die Stürmung der Rigaer 94 mit Kadterschmiede haben Spuren bei uns allen hinterlassen. Insbesondere während der Amtszeit von Innensenator Frank Henkel war unser Kiez belagert durch Hundertschaften aggressiver Bullen, die sogar die Kiezversammlungen umzingelten. Anwohner*innen und Besucher*innen wurden Opfer von willkürlichen Kontrollen und Polizeigewalt. Eine solche Situation wollen wir hier im Kiez nie wieder haben.

Die Räumung der Liebig 34 würde über den Verlust eines anarcha-queer-feministischen Hausprojekts hinaus, aufgrund der erneut zu erwartenden hohen Polizeipräsenz, Repression und Polizeigewalt für alle Nachbar*innen in unserem Kiez bedeuten. Für People of Color und linke, alternativ aussehende Menschen besteht dadurch eine besondere Bedrohung. Dem Gentrifizierungsdruck begegnen wir gemeinsam solidarisch und widerständig. Wenn Investor*innen und Politik realisieren, dass wir uns nicht spalten lassen, sondern gemeinsam kämpfen, besteht nicht nur eine Chance für das Hausprojekt Liebig 34, sondern auch für uns alle – die Chance, unsere unterschiedlichen emanzipativen Kämpfe zusammenzuführen. Ob wir vom Jobcenter, vom Arbeitgeber, von der Ausländerbehörde oder von der Polizei belästigt und schikaniert werden oder vom Kapital gegängelt: Dieser Kiez ist unser Wohnort, aber auch unser Kampfplatz. Deshalb solidarisieren wir uns untereinander und verteidigen ihn gemeinsam – gegen Bullen, gegen Gewalt durch Vermieter*innen und die ihnen zuarbeitenden Hausverwaltungen, sowie das Ordnungsamt und für den Fortbestand der Liebig 34!