Wenn die CG Gruppe in ihren Broschüren für die zahlungskräftige Kundschaft propagiert, es gehe nicht nur um Grundstücke, sondern um die Veränderung ganzer Stadtteile, sollten wir das als Kampfansage verstehen !

Wohnungen nur für Menschen nicht für Profite!
CG – Nobelprojekte verhindern!

„Vom jungen Bauunternehmer zum kapitalmarktfähigen Projektentwickler” und “er hat große Pläne für Berlin“. So beschrieb der Tagesspiegel Anfang April die Karriere des Bauunternehmers Christoph Gröner, dessen CG Gruppe seine Initialen trägt. „Immobilien sind für uns eine Weltanschaung“, lautet die Unternehmensideologie.

In welche Richtung diese Entwicklung geht, wird in dem firmeneigenen CG-Magazin deutlich benannt. Die Hochglanzbroschüre vertritt eine Unternehmerideologie mit esoterischem Einschlag. Da wird eine vierte Dimension der Immobilie beschrieben, die „spürbar wird, indem sie Mehrwerte für Immobilien schafft, die heutige Bedürfnisse erfüllen, aber darüber hinaus schon morgen Nutzen schaffen“. Doch wenn es um die Zielgruppe geht, die mit den von der CG Gruppe gebauten Häusern wohnen sollen, wird weniger kryptisch formuliert. „Wer in Tokio arbeitet und in zwei Wochen einen neuen Job in Berlin antreten soll, hat gar keine Zeit, sich vorher Wohnungen anzuschauen. Die Vermarktungs- und Vermietungsprozesse müssen also so gestaltet sein, dass alle Schritte von der Suche bis zum Einzug komplett abgewickelt werden können“, erklärt Oliver Wolf aus dem CG-Group-Management. Die in dem Unternehmen für die Projektentwicklung zuständige Heike Lentfer präzisiert: „Unser Vertical-Village-Konzept richtet sich an leistungsorientierte Menschen. Also an Freiberufler, Manager, oder Fachkräfte, die nur für einen begrenzten Zeitraum in einer Stadt arbeiten.“ Die Zielgruppe der CG Gruppe ist also vor allem jene junge, flexible Schicht  von Managern aus Wirtschaft, Politik und Kunst, die in Berlin von Wirtschaft und Politik umworben wird.

CG Gruppe ist in mehreren Berliner Stadtteilen aktiv

So ist nicht verwunderlich, dass die CG Gruppe in Berlin gleich mehrere lukrative Bauprojekte am Laufen hat. Am Halleschen Ufer 40-60 soll auf dem Areal der ehemaligen Postbank das XBerg Quartier entstehen, das als „durchmischtes Quartier für Arbeit, Wohnen und Freizeit“ beworben wird. In der Frauenhoferstraße 29 in Berlin-Charlottenburg will die CG Gruppe die „Residenz am Ernst-Reuter Platz“ entwickeln und auch den ehemaligen Steglitzer Kreisel in der Schloßstraße 70-80 will die CG Gruppe „in einen lichtdurchfluteten City Tower mit hochwertigen Eigentumswohnungen“ verwandeln. Im Juli hatte die CG Gruppe die Immobilie für 20 Millionen Euro aufgekauft. Allerdings hatte das Land vorher für die Asbestsanierung 18 Millionen Euro ausgegeben. Sozial- oder Familienwohnungen böten sich an dem Standort aber eher nicht an, sagte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen. Das gilt für alle Projekte der CG Gruppe. In ihren Werbevideos  sind einkommensschwache Menschen nicht zu sehen. Es ist die Welt der Erfolgsmenschen, bei denen sich alles um Flexibilität, Investitionen und Rendite dreht. Im firmeneigenen CG-Magazin wird selbst die völlig zahnlose Mietpreisbremse als »ein ebenso überflüssiges wie rechtlich bedenkliches Instrument staatlicher Regulierung« bezeichnet, die „eine unverhältnismäßige und damit unzumutbare Belastung für diese Eigentümergruppen“ darstellt. Wenn die CG Gruppe in ihren Broschüren für die zahlungskräftige Kundschaft propagiert, es gehe nicht nur um Grundstücke, sondern um die Veränderung ganzer Stadtteile, sollten wir das als  Kampfansage verstehen.

Belegt wird diese Strategie mit veranschlagten Preisen für die geplanten Wohnsegmente von 11-13 € pro m², die Christoph Gröner in einem Interview mit dem Tagesspiegel, als durchaus verträglich bezeichnet hatte. Nachdem die Kritik an dem Projekt lauter wurde, veranschlagte die CG Gruppe einen qm-Preis von 8 € m². Dieser bezog sich aber nur auf das Gebäude der bisherigen und wohl weiterhin bestehenden Mieter der BUF, Bildungseinrichtung für berufliche Umschulung und Fortbildung, eine Einrichtung, die wohl als einzige im umarmenden und vereinnahmenden, vorgeblich kultur- und kiezfreundlichen Kontext der CG-Strategie, als Altmieter übernommen werden.

Wir wissen, dass auch in anderen Stadtteilen Mieter_innen mit den Vorhaben und Strategien von CG Gruppe konfrontiert sind. Wir schlagen vor, den Widerstand gegen die Projekte der CG Gruppe mit den anderen Stadtteilen weiter auszubauen und uns noch mehr zu vernetzen. Wir solidarisieren uns ausdrücklich mit allen, die dafür kämpfen wollen, dass Wohnraum wieder bezahlbar wird, mit dem Ziel, einen solchen Akteur der Verdrängung einkommensschwacher Mieter_innen in den Fokus unseres Widerstands zu rücken.

Diese Firma steht für das moderne Gesicht der kapitalistischen Verwertung, was sich auch in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, ihren Zielgruppen und ihren Geschäftsstrategien ausdrückt. Da die CG Gruppe aktuell in mehreren Berliner Stadtteilen ihre Luxusprojekte plant, sehen wir hier die Möglichkeiten den Widerstand dagegen auszuweiten. Die CG Gruppe ist aktuell ein wichtiger Akteur bei der Verdrängung einkommensschwacher Teile der Bevölkerung aus sogenannten angesagten Stadtteilen. Dabei ist die Firma nur ein Player in einem Spiel, das Kapitalismus heißt.

Wenn Bürger_innenbeteiligung zur Farce wird – CGs Carré Sama-Riga im Kiez nicht akzeptiert!

Widerstand ist im Weltbild der CG Gruppe nicht vorgesehen. Doch das hat sich in den letzten Monaten in Leipzig und Berlin geändert. Gegen das von der CG Gruppe in der Rigaer Straße 71-73 geplante Carré Sama-Riga protestieren Anwohner_innen seit Wochen und Monaten unter der Parole „Wer hier kauft, kauft Ärger“. Auf der Firmenhomepage wird das Projekt in englischer Sprache für die kaufkräftige Kundschaft als „another luxury project“ beworben. In einer an die Nachbarschaft adressierten Broschüre der CG Gruppe heißt es dagegen: „CG Gruppe Bürgerlich Sozial – nicht nobel. FÜR DEN KIEZ MIT DEM KIEZ“. Doch viele Nachbar_innen habe die Greenwashing-Strategie durchschaut und haben in den letzten Monaten mit Demonstrationen, Parolen, Plakaten, Filmen und Kundgebungen deutlich gemacht, dass das Projekt im Kiez keine Akzeptanz hat. Schließlich haben die Bewohner_innen mit dem konkreten Treiben der CG Gruppe und ihres Chefs, Christoph Gröner, so ihre Erfahrungen gemacht.

20160702-rigaer-abrissSo ließ die CG Gruppe Ende Juni 2016 die beiden ältesten Häuser der Rigaer Straße, die 1875 auf freiem Feld errichtet wurden, jene im Bereich der Straßenfront der Rigaer Str. 71-73 abreißen, obwohl sie auf der Liste denkmalgeschützter Häuser standen. Dafür hat die CG Gruppe die Genehmigung der Denkmalschutzbehörden des Bezirks bekommen. „Die fraglichen Gebäude sind von den Denkmalschutzbehörden wegen ihrer besonderen Bauweise mit Teilen aus Spannbeton tatsächlich unter Schutz gestellt worden – “aber nicht so, dass sie nicht abgerissen werden dürfen“, erklärte der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg mit Grünem Parteibuch Hans Panhoff. Er machte damit deutlich, dass Denkmalschutz zur Farce wird, wenn Investor_innen ihre Projekte durchsetzen wollen. Heftige Kritik daran kam unter anderem vom Geschichtsverein Friedrichshain. Auch die Bürger_innenbeteiligung, welche Investor_innen und Politik immer anführen, war eine Farce. Da kaum jemand bekannt war, wo die Unterlagen dafür auslagen, gab es auch nahezu keine Reaktionen und Kritik. Dafür haben in den letzten Wochen auf der Straße rund um die Baustelle hunderte Nachbar_innen deutlich gemacht, dass die Projekte der CG Gruppe hier keine Akzeptanz haben.

Für eine wirkliche Bürger_innenbeteiligung müssen die bisherigen Pläne gestoppt werden!

Noch gibt es für das Carré Sama-Riga keine Baugenehmigung. Wir fordern einen Stopp der bisherigen Planungen und eine Beteiligung der Anwohner_innen an den Plänen für die Nutzung des Geländes.  Bürger_innenbeteiligung ist nicht, wenn ein Investor_innenprojekt in irgendeinen unbekannten Raum ausgelegt ist, sondern erst dann, wenn wir alle, die wir hier im Kiez leben und arbeiten, öffentlich und transparent mitentscheiden, was mit und auf dem Gelände passiert. Wir haben viele Ideen, von Wohnungen für einkommensschwache Menschen und Geflüchtete, über Nachbarschaftsgärten bis hin zu einem selbstorganisiert und -verwalteten Nachbarschaftszentrum. Wir denken, dass es noch viele weitere Vorstellungen über eine Nutzung des Geländes gibt. Dazu müssen alle Pläne für das derzeitige Projekt der CG Gruppe Carré Sama-Riga gestoppt werden!

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