Spaziergang gegen Verdrängung

Dieser Artikel über den Kiezspaziergang ist im Neuen Deutschland vom Montag veröffentlicht.

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Spaziergang gegen Verdrängung
»Keine Rendite mit der Miete« fordert die gleichnamige Friedrichshainer Kiezinitiative. Es geht ihr bei der Veranstaltung nicht nur um Probleme, auch Erfolge können gefeiert werden.
Von Gaston Latz nd 7.11.

Sonntagnachmittag, 14 Uhr: Inmitten des Flohmarkttrubels auf dem Boxhagener Platz treffen sich mehrere Dutzend Menschen. Sie protestieren gegen Mieterhöhungen und Verdrängung durch Luxussanierungen. Die Mieterinitiative »Keine Rendite mit der Miete« lädt zum dritten Friedrichshainer »Kiezspaziergang« dieses Jahres. »Wir alle sind von Verdrängung und Vertreibung betroffen. Es ist die kapitalistische Verwertungslogik, die dahintersteckt«, sagt einer der Gründer der Initiative. Er nennt sich Hein Stein. »Aber wir wollen uns nicht nur beklagen, sondern es gibt auch Erfolge zu verzeichnen.« Einer dieser Erfolge sei das Haus Grünberger Straße 84, dessen Mieter sich Anfang des Jahres zusammengeschlossen haben, um auf juristischem Wege die Sanierung ihres Hauses zu verhindern. Diese hätte die Miete so erhöht, dass viele diese nicht mehr hätten bezahlen können.

Dann spricht Hans Georg-Lindenau, Besitzer des »Gemischtwarenladens für Revolutionsbedarf« in der Manteuffelstraße 99, von seinen Problemen mit Vermieter und Hausverwaltung. »Mit falschen Angaben und verdrehten Tatsachen wollten sie mich herausklagen. Mein Laden und die Wohnung meiner Freundin sollten zu Ferienwohnungen umfunktioniert werden.«

Aber nicht nur Mietshäuser, sondern auch linke Wohn- und Freizeitprojekte sind Ziel des Spazierganges. »Wir gehen nicht nur zu Orten, wo Menschen verdrängt werden, sondern auch zu Orten, wo Menschen sich organisieren, um solidarisch und anders zu leben«, sagt Stein. So wird beispielsweise das Hausprojekt Grünberger Straße 73 vorgestellt oder das »Vetomat« in der Wühlischstraße 42, wo es kostenloses Essen gibt und regelmäßig politische Veranstaltungen, aber auch literarische Lesungen stattfinden.

Der Kiezspaziergang sollte nach Redaktionsschluss in der Rigaer Straße enden. Ziel war das Neubauprojekt »Carré Sama Riga« des Immobilienentwicklers Christoph Gröner. Kritiker befürchten eine starke Aufwertung des Kiezes.