6.11. 17 Uhr CG-Luxusneubauten verhindern

Wohnungen für Menschen, nicht für Profite!

Info- und Mobilisierungsveranstaltung, Start: Jugendclub Liebigstr. 19 (U-Bahnhof Frankfurter Tor)

 „Vom jungen Bauunternehmer zum kapitalmarktfähigen Projektentwickler und er hat große Pläne für Berlin“. So beschrieb  der Tagesspiegel Anfang April die Karriere des Bauunternehmers Christoph Gröner, dessen CG-Group seine Initialen trägt.  „Immobilien sind für uns eine Weltanschauung“, lautet die Unternehmensideologie.

In welche Richtung diese Entwicklung geht, wird in dem firmeneigenen CG-Magazin deutlich benannt. Die Hochglanzbroschüre vertritt eine Unternehmerideologie mit esoterischem Einschlag. Da  wird eine vierte Dimension der Immobilie beschrieben, die „spürbar wird,  indem sie Mehrwerte für Immobilien schafft,  die heutige Bedürfnisse erfüllen, aber darüber hinaus schon morgen Nutzen schaffen“.  Doch wenn es um die Zielgruppe geht, die mit den von der CG-Group gebauten Häusern wohnen sollen, wird weniger kryptisch formuliert. „Wer in Tokio arbeitet und in zwei Wochen einen neuen Job in Berlin antreten soll, hat gar keine Zeit, sich vorher Wohnungen anzuschauen. Die Vermarktungs- und Vermietungsprozesse müssen  also so gestaltet sein, dass alle Schritte von der Suche bis zum Einzug komplett abgewickelt werden können“, erklärt Oliver Wolf aus dem CG-Group-Management.  Die in dem Unternehmen für die Projektentwicklung zuständige Heike Lentfer präzisiert: „Unser Vertical  Village-Konzept richtet sich an leistungsorientierte Menschen. Also an Freiberufler, Manager, oder Fachkräfte, die nur für einen begrenzten Zeitraum in einer Stadt arbeiten.“ Die Zielgruppe der CG-Group ist also vor allen  jene  junge, flexible Schicht  von  Managern aus Wirtschaft, Politik und Kunst, die in Berlin von Wirtschaft und Politik umworben wird.

CG-Group in mehreren Berliner Stadtteilen aktiv

So  ist nicht verwunderlich, dass die CG-Group in  Berlin gleich mehrere lukrative Bauprojekte  am  Laufen hat. Am Halleschen Ufer 40-60  soll auf dem Areal der ehemaligen  Postbank das  XBerg Quartier entstehen, das in als „durchmischtes Quartier für Arbeit, Wohnen und Freizeit“ beworben wird.  In der Frauenhofstraße 29  in Berlin-Charlottenburg will die CG-Group die „Residenz am Ernst-Reuter Platz“ entwickeln und auch den ehemaligen Steglitzer Kreisel in der Schloßstraße  70-80 will die CG-Group „in einen lichtdurchfluteten City Tower mit hochwertigen Eigentumswohnungen“ verwandeln“.  Im Juli hatte die CG-Group die Immobilie für 20 Millionen Euro abgekauft. Allerdings hatte das Land vorher für die Asbestsanierung 18 Millionen Euro ausgegeben.  Sozial- oder Familienwohnungen böten sich an dem Standort aber eher nicht an, sagte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen. Das gilt für alle Projekte der CG-Group. In  ihren  Werbevideos  sind einkommensschwache Menschen nicht zu sehen. Es ist die Welt der Erfolgsmenschen, bei denen sich alles um Flexibilität, Investitionen und Rendite dreht.  Im firmeneigenen CG-Magazin wird selbst die völlig zahnlose Mietpreisbremse als »ein ebenso überflüssiges wie rechtlich bedenkliches Instrument staatlicher Regulierung« bezeichnet, die „eine unverhältnismäßige und damit unzumutbare Belastung für diese Eigentümergruppen“ darstellt.  Widerstand  ist im Weltbild der CG-Group nicht vorgesehen. Doch das hat sich in den letzten Monaten in Leipzig und Berlin geändert. Gegen das von der CG-Group in der Rigaer Straße 71-73 geplante Carré Sama-Riga  protestieren Anwohner_innen seit Wochen unter der Parole „Wer hier kauft, kauft Ärger“. Auf der Firmenhomepage wird das Projekt in englischer Sprache für die kaufkräftige Kundschaft als „another luxury project“ beworben. In einer an die  Nachbarschaft adressierte Broschüre der CG-Group heißt es dagegen:  „CG Gruppe Bürgerlich Sozial – nicht nobel. FÜR DEN KIEZ Mit DEM  KIEZ“. Doch viele Nachbar_innen habe die Greenwashing-Strategie durchschaut und haben in den  letzten Monaten mit Demonstrationen, Parolen, Plakaten, Filmen und Kundgebungen deutlich gemacht, dass das Projekt im Kiez  keine Akzeptanz hat. Im Interview mit dem Tagesspiegel auf diese Proteste angesprochen, erklärte Gröner: „Wir wissen, dass die staatlichen Institutionen nicht in der Lage sind, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten beziehungsweise durchzusetzen. Ansonsten wissen wir Unternehmer uns seit jeher selbst zu helfen.“ Soll damit angedeutet werden, dass  kritische Nachbar_innen, die sich mit dem Projekt nicht abfinden wollen, demnächst mit der Willkür privater Sicherheitsdienste konfrontiert sind?

Wenn die  CG-Group in ihren Broschüren für die zahlungskräftige Kundschaft propagiert, es gehe nicht nur um Grundstücke sondern  um die Veränderung ganzer Stadtteile, sollten wir das als  Kampfansage verstehen. Wir schlagen vor, den Widerstand gegen die Projekte der CG-Group  auch auf andere Stadtteile auszuweiten und so einen Akteur der Verdrängung einkommensschwacher Mieter_innen in den Fokus rücken.  Diese  Firma steht für das moderne Gesicht der kapitalistischen Verwertung, was sich auch in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, ihren Zielgruppen und ihren Geschäftsstrategien ausdrückt. Da die CG-Group aktuell in mehreren  Berliner Stadtteilen ihre Luxusprojekte plant, sehen wir hier die Möglichkeiten den Widerstand dagegen auszuweiten.  Die CG-Group  ist aktuell ein wichtiger Akteur bei der Verdrängung einkommensschwacher  Teile  der Bevölkerung aus sogenannten angesagten Stadtteilen. Dabei ist die  Firma nur ein Player in einem Spiel, das Kapitalismus heißt.  Auf der Veranstaltung wollen wir die Strategien der CG-Group darstellen. Der Schwerpunkt aber ist die Frage, wie schaffen wir es, ihre Invstor_innenträume zum Platzen zu bringen, in Friedrichshain, in Kreuzberg,  Steglitz und anderswo.

Davor Kiezspaziergang

It's only fair to share...Share on FacebookTweet about this on Twitter